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Geschichte

01; Vorwort zur Entwicklung des Vereins im Zusammenhang mit der Geschichte unseres Stadtteils Volkmarsdorf  (Die nachfolgenden Aufzeichnungen erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Für Hinweise, Ergänzungen, sowie auch über die Bereitstellung von Geschichtsbildern zur Entwicklung unserer Mannschaften und des Vereins wären wir dankbar.)

Unser Verein hat eine lange Tradition im Leipziger Sportgeschehen. Dabei muss angemerkt werden, das wir immerhin der zweitälteste Verein in Leipzig sind.

Wir befinden uns in einem Stadtgebiet, welches auch vom Lauf der Geschichte her gesehen, Großteils von einer sozial schwachen bis mittleren Gesellschaftsschicht geprägt ist. Vor diesem Hintergrund können wir auf unsere Vereinsarbeit sehr stolz sein. Da die Entwicklung des Stadtteiles Volkmarsdorf zwingend mit der Entwicklung und dem Aufbau unseres Vereins in Verbindung steht, haben wir uns entschlossen, beide Entwicklungsverläufe zusammenzufassen.

Wenn ihr mehr über uns und unseren Stadtteil wissen wollt, solltet ihr die nachfolgenden Texte lesen. Wir haben uns bemüht, die Entwicklungsgeschichte so realistisch wie möglich aufzuarbeiten.

 

02; Geschichte vor 1945 mit „Gründung unseres Vereins“

Volcwartisdorff - so hieß das Kohlgartendorf vor den Toren der frisch gebackenen Messestadt Leipzig, als es erstmals im Jahr 1270 urkundlich erwähnt wurde. Es gab ein Rittergut, rundum Felder, auf denen die Bauern Gemüse und Getreide für die nahe Stadt anbauten, Brot buken und alles über den so genannten "Kohlweg" nach Leipzig lieferten. Bis 1889 wurde in Volkmarsdorf noch Landwirtschaft betrieben, dann gab der letzte Pächter auf. Seither veränderte sich die Bedeutung von Volkmarsdorf, seine Bebauung und die Einwohnerzahl stetig. Mit der zunehmenden Industrialisierung wurden in Volkmarsdorf mehrgeschossige Häuser für die "arbeitende Klasse" (Arbeiter, kleine Handwerker und Gewerbetreibende) gebaut. Hier war die ärmere Bevölkerung Leipzigs zu Hause, aber auch viele Angestellte der nahe liegenden Eisenbahn.

Im Jahr 1842 wurde die im damaligen Deutschland herrschende Turnsperre aufgehoben, und es bildeten sich ab 1845 verstärkt Turnvereine. In Leipzig-Volkmarsdorf entstanden daraufhin bis 1847 drei Turnvereine, die sich während der Revolutionsjahre 1848/49 wieder auflösten. Erst 1858 fanden sich aber unter der Führung des Turnlehrers August Erben junge Männer zu einem Turnklub in Volkmarsdorf zusammen. Gegründet wurde der „ATV Volkmarsdorf“ welcher sich zum heutigen SV Leipzig Ost 1858 weiterentwickelte. Kurz nach der Entstehung unseres Vereins entwickelten sich weitere kleinere Turnvereine, so auch der 1860 gegründete ATV Sellerhausen.

Im Januar 1890 wurde der Ort Volkmarsdorf nun nach Leipzig eingemeindet. In Folge wurde im Jahr 1897 ein Parzellierungsplan erstellt und der Stadtteil mit seinem ursprünglichen Straßennetz entwickelt und an Leipzig angeschlossen. In diesem neu eingemeindeten Stadtteil befand sich auch der ATV Volkmarsdorf. Da es sich um einen neu eingemeindeten Stadtteil handelte, entwickelte sich der Gesellschaftsstand dahingehend, dass diesen viele neue Mittelstandsbetriebe besiedelten. Diese hatten im eigentlichen Leipzig keine Geschäftsbasis, zogen aber wiederum die notwendigen Arbeitskräfte nach. Somit wurde die erste Blütezeit des Stadtteiles eingeleitet. 

Mit der Entstehung von vielen kleinen Turnvereinen im Bereich Volkmarsdorf/Sellerhausen ab ca. 1865 liefen verschiedene Bemühungen zur Verschmelzung von diesen zu einem ostvorstädtischen Turnverein. Es erfolgten nur einige kleinere Zusammenschlüsse, so unter anderem im Jahr 1921 die Vereinigung der ATV Sellerhausen und der ATV Neusellerhausen zur Turn- und Sportvereinigung Leipzig Ost 1860. 

 

Die Versuche, einen ostvorstädtischen Turnverein zu gründen, schlugen trotz aller Bemühungen lange Zeit fehl, es dauerte letztlich bis hinein in die Zwanziger Jahre des neuen Jahrhunderts. Erst am 24.11.1923 vollzog sich die Vereinigung des ATV Volkmarsdorf (gegr. 1858) mit dem TSV Leipzig Ost 1860 zur Turn- und Sportvereinigung Leipzig Ost 1858.

In der darauf folgenden Zeit dominierten die Sportarten Turnen, Handball und Leichtathletik. Später kamen überwiegend Faustball, Ringen, Boxen, Schwimmen, Fußball und auch Abteilungen wie der Spielmannszug und die Sänger dazu. 

Im Juni 1925 feierte unser Verein dann auch die Platzweihe an unserem heute noch bestehenden Standort. Der Verein lag damit in einer günstigen Verkehrslage und besaß nun auch eine der modernsten Spielplatzanlagen der damalige Zeit. In dieser Blütezeit des Stadtteiles hatte der Verein im Jahr 1931 über 1150 Mitglieder und brachte zahlreiche Sieger auf Landesebene, des Gaues und der Stadt Leipzig hervor.

Jährlich fanden auf unserem Sportplatz in der Wurzener Straße Sportwochen und in der Torgauer Straße Schauturnen statt. Höhepunkte in der Vereinsgeschichte bis zum 2. Weltkrieg waren die Jubiläen 1928 (70.), 1933 (75.) und 1938 (80.). Diese Ära lief mit dem Kriegsende des 2. Weltkrieges aus.

 

 03; Geschichte von 1945 - 1990

Am 24.8.1945 wurden alle Sportvereine auf Befehl der sowjetischen Militärkommandantur aufgelöst und ihr Vermögen sichergestellt. So war auch unser Verein von dieser Maßnahme betroffen und die Ära Ost 1858 war erst einmal zu Ende.

Die sowjetischen Besatzer konnten mit dieser Maßnahme aber nicht den Sportgeist unserer Volkmarsdorfer Bevölkerung brechen. Unsere Vereinsmitglieder hielten trotz des Verbotes ihre Sportbegeisterung aufrecht, so dass der Verein an sich erhalten blieb. So wurden bereits Ende 1945 wieder die ersten Turnstunden abgehalten. Diese wurden in Folge durch die Stadtverwaltung legalisiert. Am 7.3.1946 genehmigte der SMAD den Sportbetrieb wieder und unsere Vereinsmitglieder konnten ihre Tätigkeit wieder offiziell aufnehmen.

Männer dieser Stunde waren beispielsweise Fritz Böhme und Arthur Günther in der Torgauer Straße beim Turnen, Herr Wunderlich beim Aufbau der Leichtathletik oder die Handballer unter Leitung von Curt Schlegel.  

Mit Gründung der demokratischen Sportbewegung im Jahr 1948 gingen die Vereine feste Bindungen ein und wurden in Betriebssportgemeinschaften (BSG) umgewandelt. In Folge wurde 1950 aus unserem Verein die BSG Motor Ost – Leipzig gegründet.

 Ab dem Jahr 1948, zielstrebiger ab den 60ziger Jahren, gestaltete sich die soziale Lage unseres Stadtteiles so, dass sich Volkmarsdorf zu einem reinen Mittelstands- und Arbeiterstadtteil entwickelte. Die durch den Aufbau der DDR neu entstandenen staatlichen Konsumgesellschaften vermischten sich mit den vorhandenen privaten Betreiben des Mittelstandes. Bis hinein in die 80ziger Jahre nahm der Bevölkerungsanteil in Volkmarsdorf stetig zu. 

In diesen Zeiten entwickelte sich auch unser Verein fortschrittlich. Es entstanden starke Sektionen im Fußball, Leichtathletik, Wandern, Bergsteigen, Handball sowie Federball. Besonders in der Leichtathletik konnte durch gute Nachwuchsarbeit mancher Erfolg auch auf DDR-Ebene erreicht werden. Auch in den anderen Mannschaftssportarten konnten vornehmlich in den 50zigern und 60zigern Jahren Erfolge im Wettspielbetrieb gefeiert werden.

Somit kann man getrost von einer im Zeitraum von 1948 bis 1977 entstandenen zweiten Blütezeit des Stadtteiles und auch unseres Vereins reden.

Auch spielte in dieser Zeit die eingeleitete staatliche und schulische Entwicklung in der DDR eine Rolle. So wurde nach der Devise Schule – Freizeit – Sport entwickelt und gefördert.

Dadurch kam es, dass die 18. POS in der Grassdorfer Straße unsere Patenschule wurde. Über die dortigen Lehrer wurden für förderungsfähig erklärte Kinder unter anderem an unseren Verein vermittelt.

Durch die im Jahr 1977 beginnende und im Jahr 1985 endende umfassende Renovierung des Stadtteiles, inklusive der Substanz der bestehenden Wohnungs- und Geschäftsanlagen unter Aufgabe der historischen Straßenlage, erfolgte gezwungenermaßen auch eine Verschiebung der ansässigen Bevölkerung. Dies wurde aber bei der damals bestehenden Wohnungspolitik nicht beachtet.

1986 begannen die Erschließungsarbeiten zum Bau von neuen Wohnungen und Kinderkombinationen. Außerdem sollten die Gründerzeithäuser des Gebietes renoviert werden. Als voraussichtlicher Bauschluss war das Jahr 1990 geplant.

In Folge dieser weiterführenden Umbaumaßnahmen des Stadtteiles bemerkte man seitens der Stadtplanung die Umstände des Bevölkerungsschwundes nicht. Von den Auswirkungen dieser städtepolitischen Umbaumaßnahmen blieb natürlich auch unser Verein nicht verschont. Dieses stellte sich so dar, dass anhand der schwindenden Einwohnerzahl des Stadtteiles auch die Mitglieder schwanden und im Umkehrschluss schwer neue Mitglieder beworben werden konnten.

Als die staatlichen Behörden der DDR die Problematik der Bevölkerungsflucht aus Volkmarsdorf erkannten, wurde durch die Regierung des damaligen Bezirks Leipzig ein Besiedlungsplan erstellt. Dieser gestaltete sich dahingehend, dass eine Vielzahl der leerstehenden Wohnungen für die in der DDR herrschende Wiedereingliederungspolitik genutzt wurden. Daraus resultierte folglich, dass sich Volkmarsdorf zu einem reinen Arbeiterstadtteil Leipzigs entwickelte. Mit der 1989 eingeleiteten Wende wurden die Umbaumaßnahmen in Volkmarsdorf gestoppt.

04;Geschichte von 1990 bis heute

Da Volkmarsdorf nicht gerade der wohnlichste Stadtteil Leipzigs war, entschieden sich nach der Öffnung der Grenze und der damit begonnenen Wiedervereinigung viele Stadtteilbewohner, ihr „Glück“ im Westen oder in wohnlicheren Gegenden zu suchen. Somit verblieb in Volkmarsdorf überwiegend nur noch die ärmere Bevölkerungsschicht.

Trotz dessen wurde 1992 beschlossen, unseren alten Vereinsnamen zu übernehmen. Nach der Stellung und Genehmigung des betreffenden Antrages haben wir wieder den Namen Sportverein Leipzig Ost 1858 e.V. angenommen.

Nach der Wende wurde im Leipziger Osten durch die Hauseigentümer wiederum viel saniert und teilweise neu gebaut. Auch die Stadt hat Straßenräume und Plätze erneuert und gestalten lassen. Durch den Umbau der Eisenbahnstraße sowie der Wurzner Straße gingen dann weitestgehend auch noch die letzten überlebenden privaten Mittelständler unter. Dies hatte zur Folge, dass man über Volkmarsdorf von einem fast sterbenden Stadtteil reden konnte.

Durch die Stadtpolitik wurde diesem erneuten Bevölkerungsschwund mit gezielten Maßnahmen entgegengewirkt. Der Leerstand an Wohnungen in z.B. der Bereich der Eisenbahnstraße wurde mit der Zuweisung von Migranten bekämpft. Dies hatte wiederum zur Folge, dass sich dieser Bereich Leipzigs zu einem reinen „Ausländerviertel“ zu entwickeln drohte. Durch diese Umstände traten nun auch hier verstärkt Probleme mit der allgemeinen Kriminalitätsentwicklung und vor allem auch mit Drogenhandel auf. Diese Umstände wurden aber glücklicherweise seitens der Stadt Leipzig, wenn auch spät, erkannt. Dem wurde wiederum mit Förderungsmaßnahmen entgegengewirkt, trotz dieser Maßnahmen ist Auswirkung der Stadtpolitik aber spürbar vorhanden.  

Unter den seit 1990 gegebenen Voraussetzungen entwickelte sich auch unser Verein nicht gerade positiv weiter. Die Mitglieder schwanden und auch eine gezielte Jugendarbeit wurde immer schwieriger.

In unserem Verein herrschte aber die vorrangige Meinung, uns nicht dem allgemeinen Trend im Stadtteil sowie der Sportpolitik zu unterwerfen. Durch viele uneigennützig arbeitende Mitglieder wurde die Vereinsarbeit seit 1990 aufrecht erhalten.

So gelang es uns im Jahr 1998/99 mit sehr großer Unterstützung der Verantwortlichen der Stadt Leipzig, welchen hier auch ein besonderer Dank ausgesprochen werden soll, unser Vereinsgelände komplett zu sanieren.

Bei den geschehenen und durchgeführten Umbaumaßnahmen ist zu beachten, dass unser Vereinsgelände in einem Naturschutzgebiet liegt und unser Vereinsgebäude unter Denkmalschutz steht. Somit haben wir natürlich stetige Probleme, weitere Veränderungen und Verbesserungen auf dem Vereinsgelände durchzuführen, weil die Bedingungen und Auflagen sehr beschränkt und kostenintensiv sind. 

Letztlich hatten wir im Jahr 2002 z.B. nur noch zwei Jugendmannschaften im Bereich der Fußballabteilung.

Danach entwickelte sich Jugendarbeit speziell im Fußball wieder, weil sich Sport begeisterte zusammen fanden, welche das Ziel hatten und haben, Kindern und Jugendlichen eine Perspektive in unserem Verein zu bieten. Auch haben wir uns in diesem Zusammenhang mit der Situation unseres Stadtteils auseinandergesetzt und uns entschlossen, durch unsere Vereinsarbeit einen Beitrag zur Verbesserung dessen Leumunds beizutragen.